Mein persönlicher Weg

Welchen Sinn macht es in dieser Öffentlichkeit über sich zu schreiben? Warum tue ich es, wo mir Scham ein vertrautes Gefühl ist? Hier geht es mir doch nicht anders als den Menschen, die in meine Praxis kommen und sich mir anvertrauen. Von ihnen erwarte ich die Bereitschaft sich zu zeigen und sich anzuvertrauen. Weniger als sie zu behandeln (als Objekt) möchte ich kundiger Begleiter sein, der ihnen hilft einen Ausgang zu finden aus einer Situation, die sie als Labyrinth erleben. Sie zu würdigen, wenn sie dabei wiederholt Irrwege gehen, erscheint mir nur dann möglich, wenn sie mich als menschlichen Begleiter wahrnehmen.

Am 30. Juni 1953 wurde ich in Pfronten/Ried bei Füssen als drittes Kind meiner Eltern geboren. Eigentlich wollte meine Mutter kein drittes Kind mehr und ich nahm als ungewolltes und doch auch wieder verwöhntes Nesthäkchen eine eigenartige Position in der Familie ein. Zudem lebten wir durch eine Versetzung des Vaters in meinem zweiten Lebensjahr „vaterlos“ bei den Großeltern. Dann aber wurde Lindau meine Heimat und Lernen ein Feld in dem ich Bestätigung fand. Studium war damals noch eher etwas Besonderes und ich der erste in der Verwandtschaft, der dieses fremde Land betrat. Eigentlich sollte ich Finanzbeamter werden. Dann aber kam ich über das Lehramtstudium zur Grund- & Hauptschule zur Psychologie. Danke an meine Eltern die meine gesamte Ausbildung mit Vertrauen und Toleranz begleitet haben.

Herkunftssystem

Die Eltern meine Mutter waren beide ledige Kinder, was für beide auch ein Aufwachsen in fremden Familien bedeutete. Eine Kriegsverletzung aus dem ersten Weltkrieg schränkte die Erwerbstätigkeit des Großvaters ein. Hinzu kam ein unglücklicher Verkauf eines Häuschens in Zeiten der Inflation, so dass die Großmutter später schwere Männerarbeit in einer Ziegelei übernahm, der Großvater den Haushalt versorgte und natürlich auch die beiden Töchter, von denen meine Mutter die Ältere war.

Mein Vater war der älteste Sohn seiner Familie, neben weiteren 5 Geschwistern und zwei Halbgeschwistern. Als er sechs Jahre alt war starb seine Mutter nach einer Geburt. Der Vater heiratete erneut. Mit 10 Jahren musste mein Vater im Sommerhalbjahr bei fremden Bauern arbeiten und verließ mit Dreizehn sein Zuhause um bei einem Bauern zum Melker ausgebildet zu werden.

Er kam im Dritten Reich in den Arbeitsdienst und wurde nach zwei Jahren Wehrdienst kurz vor der Entlassung zum Polenfeldzug eingezogen. Im September 1941 lernte er meine Mutter kennen, sah sie in Abständen im Heimaturlaub für wenige Tage und wagte es sie am 8. Februar 1942 zu heiraten. Im September 1944 wird meine älteste Schwester, trotz Eklampsie, geboren. Im April 1947 kam mein Bruder zur Welt. Ich folge 1953 als Nesthäkchen.

Beziehungssystem

Meine erste Frau lernte ich bereits mit 16 Jahren kennen und heiratete sie 1976 nach Abschluss der ersten Lehramtsprüfung für Grund- und Hauptschulen. Im Mai 1980 kam mein Sohn Christopher, im Januar 1982 Joachim und im September 1983 Mathias zur Welt. Inzwischen hatte ich mein Psychologiestudium abge­schlossen und trat eine Stelle bei SOS-Kinderdorf e.V. an. Dies passte zu unserem Vorhaben auf’s Land zu ziehen. So kamen wir 1984 an den Staffelsee. Leider kam es im Oktober 1990 zur Trennung und 1992 zur Scheidung.
Im August 2000 lernte ich meine zweite Frau kennen, die kurz zuvor als Sozialpädagogin zwei Kinder, Janin und Micel, in eine Erziehungsstelle zu sich aufgenommen hatte. Im März 2002 zogen wir zu viert nach Murnau, heirateten im Juli und im August zog Mathias bis zum Studium, wie es auch seine Brüder taten, noch für eineinhalb Jahre mit ein.

Im Sommer 2007 begannen wir Menschen zu suchen, die ein Interesse daran hatten, in einer gemeinsam gebauten Wohnanlage altersübergreifend, aber in eigener Wohnung zu leben. Im Mai 2009 kauften zehn "Bauherren" gemeinsam ein Grundstück der Gemeinde. Im Oktober 2010 zogen wir unter den Ersten in unsere neue Wohnung.

Überraschend und bestürzend kam es im Juni 2011 zur Trennung. Im März 2012 verstarb mein Vater und meine Mutter folgte ihm im Januar 2013. Diese Zeit der vielen Verluste war schwierig für mich. Seitdem lebe ich allein und doch in "Gemeinschaft" mit den anderen Bewohnern. Vor allem aber trägt mich die Beziehung zu meinen drei Söhnen, deren Familien mit inzwischen vier Enkelinnen.

Im Sommer bin 65 Jahre geworden und werde ab Februar Rente beziehen. Dies ermöglicht mir entspannt weiter zu arbeiten und zu schauen, was ich noch „Großes“ lernen kann jenseits der Psychotherapie.

Meine berufliche Ausbildung als tabellarischer Lebenslauf

Josef King
Diplom-Psychologe
Untermarkt 22
82418 Murnau
08841-623557
mail(at)josef-king.de