Wege in die ambulante Psychotherapie

Ich bitte Sie um Verständnis, wenn ich diesen Text aus meiner persönlichen Sicht und deshalb in der grammatikalisch männlichen Form schreibe und dabei weiblichen wie männlichen Kolleginnen und Kollegen die gleiche Wertschätzung entgegenbringen möchte.

Was ist Psychotherapie?

Vielerlei Umstände können dazu führen, dass unser Erleben, Verhalten, das körperliche und geistige Wohlbefinden beeinträchtigt sind. Das können äußere dramatische Ereignisse, wie Überfälle, Unfälle, Todesfälle und Erkrankungen u.v.m sein, die im schlimmsten Fall zu psychischen Traumata führen oder inneres Leid, Verunsicherung und Angst, die unsere Lebensäußerungen und -qualität verändern und manchmal auch unsere Gesundheit beeinträchtigen.

Psychotherapie ist eine systematische Behandlung des psychischen Teils von Erkrankungen. Während eine Vielzahl therapeutischer Einzeleffekte für die Seele erzielbar sind, geht es bei einer Behandlung um gezielte, aufeinander aufbauende und dauerhaft wirksame Effekte seelischer Behandlung, die idealerweise den betroffenen Menschen befähigen auf ähnliche Umstände autonom zu reagieren.

Da Versicherte in der Gesetzlichen Krankenversicherung einen Anspruch auf psychotherapeutische Behandlung haben, bestimmt deren Bundesausschuss, welche Therapieverfahren in Deutschland zugelassen werden. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Therapieverfahren oder für spezifische Bereiche Therapiemethoden, die in anderen Ländern finanziert werden und bei Fachleuten Wert­schätzung finden, aber in unserem Gesetzlichen Kassensystem nicht zugelassen sind.

Wer führt psychotherapeutische Behandlungen durch?

In diesem Verständnis regelt das staatliche Gesundheitssystem, wer eine Approbation zur (psycho­therapeutischen) Behandlung bekommt und darüber hinaus, bei den von den Kassen zugelassener ärztlicher oder psychologischer Psychotherapeut, diese von der Kasse ohne Zuzahlung finanziert wird.

Es gibt daher auch Psychotherapeuten, die nicht zugelassen sind! Eine Sondergruppe bilden hier die Heilpraktiker (für Psychotherapie), deren Ausbildungsweg sich von den vorher genannten völlig unterscheidet, die aber eine Erlaubnis haben, kostenpflichtig eine Psychotherapie anzubieten.

Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen?

Als zugelassene Verfahren werden folgende ambulante psychotherapeutische Behandlungsmöglich­keiten angeboten:

  • Verhaltenstherapie
  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
  • Analytische Psychotherapie

Jedes Therapiesystem besteht aus einer Theorie, das vom Menschenbild über Entstehung von Krankheiten bis zu deren Erkennung und Behandlung reicht und aus einer Vielzahl von geeigneten Techniken, die sich zu Methoden zusammensetzen und diese wiederum ein umfassendes Verfahren für die Behandlung „seelischer Erkrankungen“ bilden.

In der Praxis bedeutet dies, dass es eine Fülle einzelner Techniken gibt, wie z.B. Achtsamkeits­übungen oder Imaginationen…, die in verschiedenen Therapien zur Anwendung kommen, während sie bei anderen Verfahren theoretischen Erwägungen ausgeschlossen sein können. Für den Laien ist oft nicht zu erkennen, in welchem Sinnzusammenhang oder Systematik einzelne Techniken ange­wendet werden. Da aber für mich in der Therapeuten-Patient-Beziehung die Autonomie, besonders in der ambulanten Psychotherapie, eine bedeutende Rolle spielt, empfehle ich Ihnen ein Nach­fragen, wenn Sie etwas nicht einordnen können. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich in der Psychotherapie das Arbeitsbündnis zwischen Patient und Psychotherapeut gestaltet werden kann. Sie selbst spüren es vor allem mit dem Gefühl des Vertrauens inwieweit sie sich der behandelnden Person öffnen mögen.

Obwohl in jeder von einer Krankenkasse finanzierten Behandlung eine Diagnose Voraussetzung ist, gefällt es mir persönlich als zugelassener Verhaltenstherapeut sehr, dass die Betonung auf dem spezifischen Erleben, inneren Verarbeiten und Verhalten des Menschen liegt und wie gut dieses auf seinen persönlichen Lebenskontext abgestimmt ist. Vielleicht ist Ihnen im Bereich der Sexualität leicht verständlich, wie variabel Erleben und Verhalten sein kann und wie sensibel abgestimmt es auf andere sein muss, wie bestimmt aber eingegriffen werden muss, wenn es nicht mit Gegenüber und Umfeld abgestimmt ist.

Wie ist der Weg zur Psychotherapie?

Seit dem 01.04.2018 ist es Pflicht und jeder hat das Recht auf eine Sprechstunde zur Klärung eines Psychotherapiebedarfs, wenn dies nicht schon von einem Facharzt für Psychiatrie oder einer ent­sprechenden Klinik festgestellt wurde. Dann genügt ein Anruf zur Vereinbarung einer bis maximal drei Sprechstunden um die Indikation zur Psychotherapie zu klären. Dazu stehen zwei bis vier sogenannte probatorische Sitzungen zur Verfügung.

Im Falle einer akuten Krise kann nach der ersten Sprechstunde sofort mit einer Akutbehandlung von maximal 12 Sitzungen begonnen werden, die dann später in eine reguläre Psychotherapie – unter Anrechnung dieser Sitzungen – übergehen kann.

Besteht dieser, füllt der Psychotherapeut ein entsprechendes Formblatt aus, und sie können bei ihm oder einem Fachkollegen später eine Anzeige zur Psychotherapie machen. Meist geht damit eine entsprechende Diagnostik einher und der zukünftige Behandler füllt die Antragsanzeige aus, die Sie als PatientIn unterschreiben und die der Psychotherapeut mit anderen Formularen ergänzt und an die zuständige Kasse schickt. Wichtig ist, dass dabei nur rudimentäre Daten, die die Kasse meist schon hat, und die Diagnose angegeben werden. Alles andere wird vertraulich behandelt!

Welche Wege in der Psychotherapie ich Ihnen anbieten kann, möchte ich Ihnen unter dem Titel Philosophie und Arbeitsweise beschreiben.

Josef King
Diplom-Psychologe
Untermarkt 22
82418 Murnau
08841-623557
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