Philosophie und Arbeitsweise

Hakomi

Mein Menschenbild ist stark von der Hakomitherapie und den Gedanken seines Begründers Ron Kurtz geprägt und von dem Ziel eines selbst organisierten Organismus und selbst bestimmten Menschen. Gerade wenn Menschen davon weit von Autonomie und Gesundheit entfernt sind, sollte nach meiner Auffassung die Veränderung dorthin, ob als Therapie oder anderes Lernen gestaltet, die Prinzipien von Selbstorganisation und Selbstbestimmung verwirklichen.

Hierbei beziehe ich mich auf die Grundprinzipien von Hakomi, einer körperorientierten Psycho­therapie und verknüpfe sie mit der Vorgehensstruktur der strategisch behaviouralen Therapie (SBT) nach S. Sulz:

Organizität

Organizität geht davon aus, dass Heilung ein Akt der Selbsterneuerung ist! Nur lebende Organis­men heilen, nämlich sich selbst. Andere Lebewesen können nur unterstützen oder behindern. Lebende System sind offene Systeme: Sie führen sich Energie, Materie und Information zu und müssen auch welche abgeben. Helfende Beziehungen unterstützen diese Prozesse!

(Innere) Achtsamkeit

(Innere) Achtsamkeit im therapeutischen (aber auch im alltäglichen) Prozess hilft Informationen zu gewinnen und deren Organisation bewusst werden zu lassen. Dies zu erforschen und zu ver­stehen, erfordert vor allem innere Achtsamkeit, die sich wertfrei auf die augenblickliche Erfahrung konzentriert, wie schon immer in der Gestalttherapie gefordert wurde.

Achtsamkeit ist willentlich passiv: sie beobachtet, mischt sich aber nicht ein, und erzeugt damit Selbstakzeptanz. Jeder Mensch bildet seine eigene Wirklichkeit. Auch wenn diese mit anderen Wirklichkeiten in vielfacher Weise verbunden ist. Hier berufe ich mich auf den Wahrnehmungs­aspekt des Konstruktivismus und freue mich als Mensch mit meiner Wirklichkeit, den Wirk­lichkeiten anderer Menschen zu begegnen. „Hakomi“ als Wort meint die neugierige Frage: „Wie ist die Welt in der Du lebst?“ Aber auch für die Begegnung in der Therapie gilt, was für jeden Kontakt in der Welt gilt: der größte Teil unserer Wirklichkeitskonstruktionen sind nicht bewusst, sondern geschehen unbewusst und gemeinsam im Kontakt zwischenbewusst.

Gewaltlosigkeit

Gewaltlosigkeit ist dabei die praktische Anerkennung der Selbstorganisation und der Wirklichkeit des anderen. Ich erkenne an, was ist, auch die psychische Abwehr als schützende und gleichzeitig beengende Barriere. Gemeinsam mit den betroffenen Menschen untersuche ich ihre Aktualität, versuche kontrollierte Möglichkeiten zu geben, ihre Erfahrung tiefer und vollständiger zu erforschen und das Unbewusste, bei sozialen Gemeinschaften das Zwischenbewusste, zur Mitarbeit gewinnen.

Einheit

In meinem Verständnis sind Körper, Seele und Geist verschiedene Funktionsmodi, bilden aber eine integrierte Einheit. „Gesundheit ist die natürliche Folge der Aufmerksamkeit, den jeder Teil des Ganzen, den anderen Teilen schenkt.“ (Ron Kurtz: Hakomi S. 63)

Das Prinzip der Einheit bedeutet, dass jedes Individuum wieder ein Teil einer größeren Ganzheit ist und das ganze Universum letztendlich ein Beziehungsgeflecht ist und kein Teil isoliert existiert. Deshalb geschehen Veränderungen immer in der Wechselwirkung mit der Umwelt. Aufgrund dieser Wechselwirkungswirklichkeiten kann eine Umstrukturierung einer „Ganzheit“, eines Individuum, einer Familie, eines Betriebes… an den verschiedensten Eckpunkten ansetzen. Dies ist der Handlungsaspekt der Systemtheorie!

An diesen Prinzipien orientiere ich meine Arbeit mit den Menschen. Selbstverständlich beschränkt sich damit die Arbeit nicht nur auf Leiden und Defizite, sondern erweitert sich auf Potenzial, auf Ressourcen und Kontakt, auf experimentelle Erfahrung mit allem was zum Leben gehört. Und weil es nach E. Kästner heißt „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ achte ich darauf was sich im Körperempfinden, in den Emotionen und letztendlich im Verhalten verwirklicht. Und hier bin ich dann der Verhaltenstherapie sehr nahe!

Verhaltenstherapie

Die Systemische Verhaltenstherapie (SBT) ist folgendermaßen nach Modulen strukturiert:

  1. Achtsamkeit und Akzeptanz
  2. Symptomtherapie
  3. Emotionstherapie
  4. Therapeutische Beziehungen
  5. Zukunftsgestaltung durch Arbeit mit persönlichen Werten
  6. Behaviorale Therapie in Richtung Lebensziele

So schön die Übereinstimmung im ersten Punkt wirkt, so wenig darf übersehen werden, dass es ein Spannungsfeld gibt zwischen Prozessorientierung und vorgegebener Struktur, zwischen freiem Erforschen und der Bestimmung von Zielen, zwischen Selbstheilung und Fremdintervention. Hier vertraue ich inzwischen sehr auf meine therapeutische Erfahrung und Übersicht.

Idealerweise werden kognitive Prozesse, häufig durch Gespräch gekennzeichnet, durch Übungen begleitet, die symbolische Repräsentationen und körperliche Verankerungen einbeziehen. Diese Übungen werden von mir als Idee angesprochen. Erst wenn ein Patient sich für eine Übung offen zeigt, wird diese von mir vorgestellt. Auch dies kann wieder eine Reaktion auslösen, mit der man therapeutisch arbeiten kann. Ist dies erfolgt kann eine gemeinsame Vorgehensweise erarbeitet und durchgeführt werden. Jede Durchführung bietet als Erfahrung eine weitere Grundlage von Information und Verarbeitung. Jede Abweichu ng und Überforderung verstehe ich in Anlehnung an die Prinzipien des „Hakomi“ als potenzielle Gewalterfahrung.

Traumata

In der Arbeit mit psychischen Traumata orientiere ich mich an Somatic Experiencing (SE), einem ebenfalls körperbezogenen Verfahren. Wie in allen Verfahren, wird eine Sicherheit vor erneuten Traumata im Lebenskontext vorausgesetzt, und zunächst mit Distanzierung/Stabilisierung gearbei­tet. Prozessorientierung und Gewaltfreiheit stehen hier an erster Stelle, so dass die sonst übliche Anamnese in Bezug auf traumatische Ereignisse eingeschränkt wird. Allerdings ist in feinen Schleifen (loops) schon früh eine Begegnung mit innerem Traumageschehen möglich. Dissozia­tionen und Aktivierungen des betroffenen Menschen bestimmen aber, wie der Therapieprozess gestaltet wird. Erst nach der Bewältigung der Traumata greifen integrative Prozesse, die auch Überlebensregeln in neue lebensorientierte Werte und Handlungen durch verhaltenstherapeutische Techniken von mir ergänzt werden.

Manchmal, und ich kann es selbst nicht definieren wann, erscheint ein direkteres Vorgehen mit Stabilisierung und Traumakonfrontation durch EMDR, angebracht. Mein Eindruck ist, dass dies bei weniger komplexen Traumatisierungen der Fall ist.

Josef King
Diplom-Psychologe
Untermarkt 22
82418 Murnau
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