Mit Martin Walser im Zug

Aufgelesenes

Fachkräftezuzug“ erreicht mich im Zug nach Leipzig. Super gern lese ich im Zug und hatte diesmal Martin Walsers „Seelenarbeit“ von 1979 dabei. Erinnerungen an meine Jugend, an angeworbene „Gastar­beiter“, diskriminierende Bemerkungen wurden wach. Der Schriftssteller Max Frisch hatte später gesagt: „Wir riefen Arbeitskräfte und es kamen Menschen.“

Und so las ich im Buch über Xaver, den Chauffeur, in Begleitung von zwei Türken, wie diese in der Schweiz einen Originalflügel aus Königsberg holen und dem aus Schlesien kommenden Herrn Lustig begegnen, der Bescheid sagt, wie sie mit dem Flügel umzugehen haben: „… Wie die Luchse hoan iich nen gesoagt, wie de Luchse sunste is Schluß mit a Gemittlichkeit. Hoffentlich wissen sie,was Luchse sind, dachte Xaver. Ihm taten die Türken, da sie in der Fremde waren, auch leid. Die Leute von daheim wegzulocken, hielt er für ein Verbrechen. Da war er mit Konrad einig. Und wo ein Verbrechen ist, da gibt es Verbrecher. Die treten jetzt auf als Wohltäter. Ihm wurde fast schwindlig vor Wut, wenn er daran dachte, daß die zwei Kerle neben ihm vielleicht verheiratet waren und ihre Familien weiß Gott wie lange nicht sehen würden….“ (Seite 85)

Am Ende wird auch er zu seiner Überraschung fristlos entlassen und bekommt großzügig den ihm aus­stehenden Urlaub von 69 Tagen zugestanden.

Josef King
Diplom-Psychologe
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